Zur Geschichte der Wallfahrtskirche
St. Pantaleon

Die Anfänge der Wallfahrt

Über die Verehrung des hl. Pantaleon im mittelalterlichen Rothweil haben wir leider keine schriftlichen Berichte. Die Geschichte der heutigen Wallfahrt zum hl. Pantaleon in Rothweil (heute die Pfarrgemeinde Oberrotweil) beginnt in den dreißiger Jahren des 18. Jahrhunderts zu einer Zeit, die vom religiösen Leben ganz durchdrungen war. Der entscheidende Schritt war die Erbauung der jetzigen Wallfahrtskirche St. Pantaleon. Sie wurde an dem Ort errichtet, an welchem vor dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) eine kleine Kapelle, dem heiligen Märtyrer Pantaleon geweiht, gestanden haben soll.

Außerhalb der Ortschaften gibt es am Kaiserstuhl heute noch viele Kapellen und Wegkreuze. In ferner Vergangenheit muss es weit mehr gegeben haben. Im Dreißigjährigen Krieg sind viele sakrale Gebäude zerstört oder schwer beschädigt worden. Auch viele sakrale Gegenstände und mancherorts auch sämtliche Pfarrarchive gingen für immer verloren. Es blieben nur Überlieferungen, die nach dem Dreißigjährigen Krieg aufgezeichnet wurden. Auch manche Urkunde wurde gerettet. In der Gemeinde Rothweil ging das im Pfarrhaus bei der damaligen Pfarrkirche St. Michael aufbewahrte Archiv fast vollständig verloren. Nur wenige Urkunden blieben erhalten. Die Pfarrkirche St. Michael wurde schwer beschädigt und die kleine Kapelle St. Pantaleon vollständig zerstört. Die Ruinen dieser Kapelle standen noch im Wald, als 1695 Pfarrer Franz Nicolaus Willhelm sein Amt als Pfarrer von Rothweil antrat.

Über die Entstehung der Wallfahrt und die Verehrung des hl. Pantaleon in seiner Gemeinde berichtet Pfarrer Willhelm folgendes: "Zu wissen ist es, dass diese Kapelle seit Mannesgedenken ganz zerfallen und mit Gesträuch überwachsen war. Allein die hintere Wand und zwei Seitenmauern stunden noch etwa mannshoch. Allem nach waren sie der Form und Größe nach wie jene des s.g. Kapellchens am Burkheimer Weg. Als ich Pfarrer zu Rothweil geworden, kam ich zufällig und ganz allein an den Ort, wo die zerfallene Kapelle war; konnte aber vor dem Gesträuch nicht erkennen, was es war. Ich fragte den anderen Tag den alten Gerichtsmann Georg Landerer, was das alte Gemäuer unter dem Holz - also wird die Gegend genannt - gewesen sei. Es ist, war die Antwort "des Pantlis Käppelein". Dabei ließ ich's bewenden und habe von da an von genanntem Ort und Gemäuer bei 40 Jahren nichts mehr gehört, noch gesehen. An Pfingsten 1735 fragte mich nach der Vesper in der Sakristei der Pfarrkirche der Sigrist Johann Georg Bellmann, ob ich auch wüsste, daß die Leute von hier und Oberbergen vielfältig nach St. Pantlis Kapelle wallfahrten gehen. Darüber wunderte ich mich und ließ mich, da ich den Ort nicht mehr wusste, sogleich durch den Messmer hinführen. Da fand ich das Kapellchen von Gesträuch ziemlich gereinigt, mit vielerlei Bildern geziert und viele Personen beteten daselbst. Am 24. Juli 1735 - einem Sonntag - verkündete ich beim Gottesdienst, dass ich gehört hätte, dass verschiedene Personen, welche in der St. Pantaleons Kapelle ihr andächtiges Gebet verrichten, in verschiedenen Krankheiten sei geholfen worden. Da es meines Amtes sei, die Sache zu untersuchen, so mögen alle jene Personen, denen geholfen worden, nach der Vesper bei mir im Pfarrhause sich einfinden und mir der Wahrheit gemäß berichten."

Pfarrer Willhelm nennt die Namen der Personen, die ins Pfarrhaus kamen und ihm und den im Pfarrhaus versammelten Pfarrgemeindemitgliedern von den Heilungen berichteten. Es waren: Magdalena Grab, Ehefrau des Michael Holwerg, Anna Maria Winterhalter, Ehefrau des Andreas Hofschneider, Katharina Burghart, Ehefrau des Friedrich Hofschneider, Josef Anreith und Josef Winterhalter, der Steinmetz von Rothweil.

Die Erbauung der Wallfahrtskirche St. Pantaleon

Ende der zwanziger Jahre des 18. Jahrhunderts begann Pfarrer Willhelm eine Wallfahrtskirche zu Ehren der Gottesmutter von Loretto auf dem Eichenberg zu bauen. Etwa um die Zeit, als die Ruinen der früheren St. Pantaleons-Kapelle im Wald bei Rothweil wieder entdeckt worden sind, hat man die St. Loretto-Kirche vollendet. Bald beschloß Pfarrer Willhelm eine neue Kirche zu Ehren des hl. Pantaleon zu bauen. Die Erbauung dieser Kirche war entscheidend für die weitere Entwicklung der Pantaleons-Wallfahrt in Rothweil. Die erste Person, die für die neue Wallfahrtskirche St. Pantaleon gespendet hat war Gertrudis Müllerin, gebürtig aus Waltershofen. Sie diente lange Zeit in Rothweil und spendete 10 Gulden für die neue Wallfahrtskirche.

Dieses, ihr Opfer, hat Pfarrer Willhelm nicht vergessen. Als sie am 19. April 1740 starb, erwähnte er die Spende dieser Frau in seinem Eintrag im Sterbebuch mit dem Wunsch: Gott möge ihr das im Himmel vergelten. Zu dieser Spende aus dem Jahr 1735 kamen im Laufe der Jahre noch viele weitere Spenden hinzu. Am 13. September 1737 kam eine Abordnung der Zünfte von Freiburg, je zwei Mann von jeder Zunft und zwei Geistliche, zusammen über 100 Mann. Alle diese Wallfahrer spendeten reichliche Opfer. Die Erbauung der Kirche machte gute Fortschritte, so dass Pfarrer Willhelm bereits am 27. Mai 1737 die erste hl. Messe in der noch nicht ganz vollendeten Wallfahrtskirche feiern konnte. Im Jahre 1741 war sie dann fertiggestellt.

Der Beginn der großen Wallfahrt

Mit der Erbauung der neuen Wallfahrtskirche wuchs auch die Wallfahrt zu Ehren des hl. Pantaleon von Jahr zu Jahr. Den Notizen über die Spenden für St. Pantaleon zwischen 1735 und 1741, die zu einem Kollektenbüchlein zusammengefügt wurden, ist zu entnehmen, dass die Wallfahrt zum hl. Pantaleon im Jahre 1735 am Kirchberg begann.

Die Beliebtheit dieser Wallfahrt verbreitete sich zunächst in den Gemeinden des Kaiserstuhls. Sie wurde auch in Freiburg und seiner Umgebung bekannt, von wo auch immer mehr Wallfahrer nach St. Pantaleon kamen. Zum großen Verbreitungsgebiet der Wallfahrt kam auch das Elsass hinzu. Mit Pferdefuhrwerken kamen die Pilger aus dem Elsass durch Furten oder mit Fähren über den damals noch unregulierten Rhein. Den elsässischen Wallfahrern erleichterte das Niedrigwasser des Rheins während der Monate Juli und August die Übersetzung. Die Elsässer gehörten bis zum Ausgang des ersten Weltkrieges (1 914-1918) zu den treuesten Wallfahrern nach St. Pantaleon. An sie erinnern heute noch einige Votivtafeln, die sie als Dank für erwiesene Hilfe durch die Fürsprache des hl. Pantaleon für seine Wallfahrtskirche in Rothweil gestiftet haben.

Der St. Pantaleons-Kirchenfond

Bereits während der Bauzeit der Wallfahrtskirche (1 735-174 1) wurde aus den Spenden der Wallfahrer und späteren "milden Beiträgen und Opfergaben" die Grundlage für einen Fond gelegt, um die Wallfahrtskirche zu erhalten und die Wallfahrt zu pflegen. In den Rechnungsbüchern zum Pantaleons-Kirchenfond wird genau über alle Einnahmen und Ausgaben berichtet. Laut diesen Büchen stiftete der Stadtpfarrer von Breisach, Geistl. Rat Pantaleon Rosmann, ein gebürtiger Oberrotweiler (gest. am 4. März 1853 in Breisach) 300 Gulden in den Pantaleonsfond mit der Verbindlichkeit, eine hl. Messe alljährlich in der St. Pantaleonskirche für das Seelenheil des Stifters zu feiern. Im Jahre 1870 stiftete die ledige Walburga Boll von Rothweil 100 Gulden zu diesem Fond bzw. vier Mannshauet Wald am Kirchberg. Am 31. Dezember 1906 belief sich das reine Vermögen des Fonds auf ca. 2483 Mark. In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg hat sich der Wert des St. Pantaleonsfonds ständig vermindert, so dass bei der Währungsreform nach dem Zweiten Weltkrieg fast nichts mehr übrig blieb. Die Erhaltung der Wallfahrtskirche und der Wallfahrt hing alsdann direkt von den Spenden der Wallfahrer, den Beiträgen der Pfarrgemeinde Oberrotweil und des Erzb. Ordinariates in Freiburg ab.

Erhaltung und Renovierungen von St. Pantaleon

Die Erhaltung von St. Pantaleon war immer ein Kampf um sein Fortbestehen. Besonders die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts war eine schwere Zeit für St. Pantaleon. Die Auswirkungen der Josefinischen Kirchenpolitik (Josef II., Sohn der Kaiserin Maria Theresia, regierte als Kaiser von 17801790) und die Folgen der Wessenbergischen Reformen (Ignaz Heinrich von Wessenberg wurde am 2. März 1802 zum Generalvikar des Bistums Konstanz ernannt; er starb am 9. August 1860) bekamen auch die Wallfahrten des Kaiserstuhls zu spüren. Im Sinne dieser Kirchenpolitik und der Reformen wurde die Zahl der Feiertage drastisch reduziert und zahlreiche Wallfahrten als Aberglaube abgeschafft. Diesem Geist fiel wahrscheinlich auch die Kirche St. Loretto auf dem Eichenberg bei Oberrotweil 1811/1812 zum Opfer. Zuerst wurde ihre Pflege vernachlässigt, dann wurde sie versteigert und abgebrochen. Sie war eine Stiftung von Pfarrer Willhelm und seiner Gemeinde und wurde fertiggestellt im Jahre 1735. Für deren Erhalt hat Pfarrer Willhelm 1000 Gulden gespendet; vermutlich seine ganze Erbschaft. Heute erinnert an diese Kirche keine einzige Spur.

Anders bei St. Pantaleon! Als im Jahre 1837 wegen angeblich finanzieller Schwierigkeiten der Beschluss gefasst wurde, die durch das Hagelwetter im August 1837 stark beschädigte Kapelle auf den Abbruch zu verkaufen und den Erlös für den Erhalt der Filialkirche St. Michael zu Niederrotweil zu verwenden, regte sich in der Pfarrgemeine von Rothweil starker Widerstand. In einer Bürgerversammlung im darauffolgenden Jahr stimmte die überwältigende Mehrheit der Bürger Rothweils für die Beibehaltung der Wallfahrtskirche. Die Gemeindevorsteher der politischen Gemeinde verpflichteten sich, für die Reparaturen an der Wallfahrtskirche die notwendigen Mittel aufzubringen. In dieser Entscheidung des Gemeinderates hat man dann in der darauf folgenden Zeit die Übernahme der Baupflicht durch die politische Gemeinde gesehen. In den Visitationsberichten aus dem 19. Jahrhundert wird immer wieder auf die Notwendigkeit der Renovierung von St. Pantaleon hingewiesen und festgehalten, dass die politische Gemeinde baupflichtig ist. Im Visitationsbescheid des Erzb. Ordinariates in Freiburg über die Kirchenvisitation am 11. Oktober 1915 wird die durchgeführte Außenrenovation von St. Pantaleon erwähnt und auf die Notwendigkeit der Innenrenovation hingewiesen. Auch noch im Jahre 1922 war die Wallfahrtskirche reparaturbedürftig. Für die gründliche Renovierung von St. Pantaleon hat sich Pfarrer Gaa (Pfarrer in Oberrotweil von 1923-1939) intensiv eingesetzt. Allerdings hat auch er die alte, in den Visitationsberichten festgehaltene angebliche Baupflicht der poltischen Gemeinde wieder aufgegriffen und versuchte, auf diesem Weg zu den notwendigen Mitteln für die Innenrenovierung zu kommen. Die Zeit verging mit erfolglosen Kontroversen über diese Frage. Im Jahre 1939 wurde Rektor Erich Riehle zum Pfarrverweser von Oberrotweil ernannt. Angesichts der neu entstandenen politischen Lage ging es ihm vor allem darum, ein gutes Verhältnis zum Rathaus zu unterhalten. Während der Kriegsjahre war natürlich an eine größere Maßnahme bei St. Pantaleon nicht zu denken. Nach dem großen Krieg und den schweren ersten Nachkriegsjahren wurde 1948 Pfarrer Josef Dettinger Seelsorger in Oberrotweil. In seiner langen Amtszeit (1948-1977) wurde in der Pfarrgemeinde Oberrotweil viel gebaut und renoviert. Dazu gehört auch die Innen- und Außenrenovierung von St. Pantaleon.

Am 5. Mai 1955 schreibt Pfarrer Dettinger an den Erzb. Oberstiftungsrat in Freiburg: "Die Wallfahrtskirche St. Pantaleon muss dringend notwendig im Innern erneuert werden. An den Wänden sind Namen von Pilgern aus dem Jahre 1848 zu finden. Ein Zeichen dafür, dass seit über 100 Jahren kein Pinselstrich mehr in der Kirche geführt wurde. So sieht sie im Inneren verwahrlost aus. Immer wieder ist von Pilgern die Klage zu hören: allzeit das gleiche vernachlässigte Gotteshaus." Der Aufwand für die Renovierung von St. Pantaleon wurde mit 10.000,- DM veranschlagt. Für die Pfarrgemeinde Oberrotweil war dies zur damaligen Zeit ein recht großer Betrag. Die notwendige Summe wurde durch Spenden der Rothweiler Christen und durch einen Zuschuss des Erzb. Ordinariats in Freiburg aufgebracht. In den Jahren 1955 bis 1964 wurde St. Pantaleon innen und außen renoviert. Die Altäre sowie alle Holzteile wurden restauriert oder neu geschaffen. Mit dieser Aufgabe wurde Schreinermeister Camillus Willi Ludwig mit seinen Gehilfen beauftragt. Es waren dies Otto Köppe aus Bischoffingen und Hermann Grab aus Oberrotweil. An der Instandsetzung der Wallfahrtskirche wirkte auch der Oberrotweiler Bauunternehmer und Architekt Karl Sacherer mit. Als Kunstmaler war Hermann Wolf aus Schelingen tätig.

Renovierung von St. Pantaleon 1993-1994

Gleich nach dem Wallfahrtsfest 1993 lud der Oberrotweiler Seelsorger mehrere Persönlichkeiten aus der Gemeinde und vom Erzb. Ordinariat in Freiburg zu einer Besprechung ein. Schon einen Tag später, am 25. Angust 1993, schreibt der Erzb. Oberrechtsdirektor Dr. Kremer dem Seelsorger nach Oberrotweil: "Wir teilen die Auffassung der Kirchengemeinde, dass im Hinblick auf die Bedeutung der Pantaleonskapelle als Wallfahrtsort eine im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten der Kirchengemeinde denkbare Innenrenovation durchgeführt werden soll. Mitbestimmend hierfür ist die Tatsache, dass im nächsten Jahr der 250. Todestag des Stifters der Pantaleonskapelle gefeiert werden soll." Mit der Durchführung dieser Maßnahme wurde Architekt Mittl aus Breisach beauftragt. Die letzte Inspektion und die Zustimmung zur Renovierung der Wallfahrtskirche hat das Landesdenkmalamt Baden-Württemberg, Außenstelle Freiburg, durch den Oberkonservator Vilmar aus Freiburg ausgesprochen. Bereits im September 1993 hat der Bauleiter vom Büro Mittl mit den Arbeiten begonnen. Die Renovierung erstreckte sich von Herbst 1993 bis Frühjahr 1994. Der feierliche Gottesdienst mit der Weihe des neuen Zelebrationsaltars wurde von Missionsbischof Theodard Leitz aus Sigmaringen am Sonntag, den 29. Mai 1994 unter großer Anteilnahme der Bevölkerung aus Ober- und Niederrotweil zelebriert. Nach dem feierlichen Gottesdienst begab sich eine große Prozession unter Mitwirkung der örtlichen Vereine nach Niederrotweil. Dort wurde bei der alten Pfarrkirche St. Michael durch den Beschluss des Ortschaftsrates von Oberrotweil ein Platz auf den Namen von Pfarrer Franz Nicolaus Willhelm eingeweiht. Anlass hierfür war das 250. Todesjahr von Pfarrer Dekan Willhelm, dem Begründer der Wallfahrt bei St. Pantaleon.

 

Die Klause bei St. Pantaleon

Hinter der Wallfahrtskirche stehen heute noch auf der Bergseite die Ruinen einer kleinen Einsiedelei, die bald nach der Errichtung der Wallfahrtskirche entstanden war. Die älteren Wallfahrer erinnern sich noch an diese Klause. Sie bestand aus einem unteren und einem oberen Stockwerk mit jeweils zwei Räumen. Die oberen Räume waren mit einem Gang zum Chorraum der Kirche verbunden. Von dort aus konnte der Einsiedler dem Gottesdienst in der Kirche beiwohnen. Diese Klause diente dem Einsiedler als Wohn- und Gebetsraum. Infolge des geringen Raumes konnten in der Einsiedelei nur eine sehr geringe Anzahl von Einsiedlern wohnen, höchstens ein oder zwei. Im 19. Jahrhundert kam es durch die allgemeine Vernachlässigung des Gnadenortes zum baulichen und geistlichen Verfall auch dieser Einsiedelei, so dass man kaum noch vom Einsiedlertum bei St. Pantaleon reden konnte.

Trotzdem wurde auch noch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts für die Einsiedelei und für die Wallfahrtskirche gespendet. Als die Wallfahrerin Wallburga Boll aus Rothweil ihre Stiftung für St. Pantaleon machte, wünschte sie sich, daß der jeweilige Waldbruder, wie die Einsiedler bei St. Pantaleon vom Volk genannt wurden, jeden Freitag in der St. Pantaleonskapelle das übliche Gebet für die Verstorbenen verrichten soll. Der weitere Verfall der Einsiedelei war aber nicht mehr aufzuhalten. In einem Bericht des Erzb. Bauamtes aus dem Jahre 1931 erfahren wir, dass die Einsiedelei (das Bruderhäuschen) zwar noch steht, sich jedoch in einem sehr schlechten Zustand befindet. Es wird vorgeschlagen, das Häuschen herzurichten, und darin eine Toilettenanlage für die Pilger zu installieren. Aus diesem Projekt wurde jedoch mangels finanzieller Mittel nichts. Im Jahre 1938 verweist noch einmal der Bauunternehmer Josef Graf auf den schlechten Zustand des Waldbruderhäuschens und auf die Notwendigkeit, dieses bald wieder bewohnbar zu machen.

Große Pläne mit der Einsiedelei bei St. Pantaleon hatte Pfarrer Adolf Gaa. Am 8. April 1936 schreibt er an Pro£ Dr. Schmiedlin nach Breisach folgendes: "Wie dem ergebenst Unterzeichneten bekannt wurde soll in Breisach eine Niederlassung von Kapuzinern geplant sein. Aus diesem Anlass möchte derselbe ew. Hochwürden auf die Möglichkeit hinweisen, dass die Pfarrei Oberrotweil wohl auch, vielleicht sogar besser, für die geplante Niederlassung geeignet wäre. Oberrotweil besitzt drei Kirchen, darunter die Wallfahrtskirche zu Ehren des hl. Märtyrers Pantaleon, die recht guten Besuches seitens der Kaiserstühler sich erfreut. Wie gut wäre es, wenn die Kapuzinerpatres die Wallfahrt pflegen und fördern könnten. Damit wäre dem ganzen Kaiserstuhl in seelsorgerlich weitem Maße gedient. An die Wallfahrtskirche ist ein Bruderhaus, das zwar klein und vernachlässigt ist, angebaut. Früher wohnte hier immer ein Einsiedler bis in die 80er Jahre hinein. Für die Existenz der Patres wäre besser gesorgt als in einer Stadt." Ein weiteres Schreiben sandte Pfarrer Gaa an das Hochw. Provinzialat der Kapuziner in Ehrenbreitstein bei Koblenz. Der Pater Provinzial schreibt an Pfarrer Gaa zurück und teilt ihm mit, dass die Verhandlungen mit Breisach bereits abgeschlossen seien. Unter diesen Umständen komme eine Wahl zwischen Breisach und Oberrotweil nicht mehr in Betracht. Pater Provinzial bietet jedoch Pfarrer Gaa die Hilfe der Kapuziner von Breisdach aus bei der Pantaleonswallfahrt an.

An die einst angebaute Einsiedelei bei St. Pantaleon erinnert noch das kleine Fenster unter der Decke im Chorraum, das während der letzten Renovierung von St. Pantaleon entdeckt und freigelegt wurde.