Die Pilgerwege und der Kreuzweg
nach St. Pantaleon

Schon kurz nach dem Beginn der großen Wallfahrt zum hl. Pantaleon am Kirchberg 1735 wurde von Pfarrer Willhelm auch ein Kreuzweg für die Wallfahrer gegründet. Der Weg von Ober- nach Niederrotweil, zwischen der heutigen Fatimakapelle (Maria Ablösung) und dem Hartsteinwerk verband in alter Zeit zwei Kirchen und zwei Ortsteile: die alte Pfarrkirche St. Michael in Niederrotweil und die ehemalige St. Nicolauskirche im Hof der Familie von Gleichenstein in Oberrotweil. Dieser Weg ist einer der beiden Wege, auf denen die Pilger nach St. Pantaleon gegangen sind. Der andere Weg führte die Pilger vom nördlichen Kaiserstuhl über Bischoffingen an der Lorettokapelle auf dem Eichenberg vorbei zum "Krämerkäppele" an der Straße nach Burkheim. Von dort aus ging dann der Pilgerweg am früheren "Schächerkäppele" vorbei zur Wallfahrtskirche am Kirchberg. Den Weg von Bischoffingen über den Eichenberg nennt man heute noch Rosenkranzweg. Denn am Eichenberg angekommen, erblickten die Wallfahrer zum ersten Mal St. Pantaleon und begannen das Rosenkranzgebet.

Auf dem erstgenannten Weg, auch Kirchweg genannt, zwischen Oberund Niederrotweil, ließ Pfarrer Willhelm die Stationen seines Kreuzweges aufstellen, mit Passionsbildern, die das Leiden und Sterben Jesu schilderten. Mit der Aufstellung der Kreuzwegstationen, in der Überlieferung des Volkes auch Käppele genannt, gründete Pfarrer Willhelm schon 1737 einen besonderen Fond, in den Rechnungsbüchern als Kreuzwegkapellenfond bezeichnet, zum Erhalt der Stationen und zur Feier der Kreuzwegandacht.Außer Pfarrer Willhelm spendeten im Nachhinein auch die Christen von Rothweil, insbesondere als es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts darum ging, einen neuen Kreuzweg zu errichten. Zuerst versuchte man, den alten Kreuzweg zu renovieren, was wahrscheinlich nicht gelingen konnte.. Um das Jahr 1890 erwog man dann einen neuen Kreuzweg zu bestellen. Auch für dieses Vorhaben spendeten die Christen von Rothweil reichlich. Im Juli 1891 betrug der Kreuzwegkapellenfond 851 Mark. Vom Erzb. Bauamt in Freiburg wurde jedoch eine Summe von 4150 Mark für den neuen Kreuzweg veranschlagt. Man rechnete mit zusätzlichen Einnahmen von 1350 Mark durch Spenden und durch milde Gaben. Trotzdem fehlten immer noch ca. 2800 Mark um das Vorhaben vollständig zu finanzieren. Pfarrer Wilhelm Beuchert und seine Stiftungsräte beschlossen mutig, das geplante Vorhaben zu verwirklichen.

Den schmalen Weg, der sich zwischen Rebstücken zur Wallfahrtskirche bergauf windet, hat man für den neuen Kreuzweg ausgesucht. Die Grundstückseigentümer haben sich bereit erklärt, eine Fläche von ca. 1,40 Meter im Quadrat an den Gundstücksrainen als unwiderrufliche Duldung zur Aufstellung der Kreuzwegstationen abzutreten. Die Anfertigung der Kreuzwegstationen wurde vom Erzb. Bauamt der Firma Krems in Freiburg übertragen. Die Bilder des Kreuzweges hat die Kunstanstalt von Leo Woerl in Würzburg in der Form des Terrakottareliefs angefertigt. Mit Urkunde vom 22. Juni 1892 hat der Erzbischof von Freiburg, Johannes Christian, für die Errichtung eines heiligen Kreuzweges in der Pfarrei Oberrotweil auf dem Weg zur St. Pantaleonskirche die Oberhirtliche Genehmigung erteilt. Die Urkunde hat folgenden Wortlaut: "Wir erteilen andurch die oberhirtliche Genehmigung zur Errichtung eines hl. Kreuzweges in der Pfarrei Rothweil (an dem Wege nach der St. Pantaleonskirche) und ermächtigen zugleich den Hochw. Herrn Pfarrer Wilhelm Beuchert in Rothweil genannten Kreuzweg kraft der vom Hochwürdigsten Ordensgeneral der Franziskaner in Rom Uns unter dem 18. Novbr. 1886 übertragenen speziellen Vollmacht cum annexis indulgensiis einzusegnen."

Die Einsegnung fand am 11. September 1892 auf dem neuen Weg nach St. Pantaleon statt. Der alte Kreuzweg, den Pfarrer Willhelm auf dem Weg von Ober- nach Niederrotweil errichten ließ, lebte in der Erinnerung des Volkes weiter unter der Bezeichnung "Käppelebuck".

Fast genau 100 Jahre nach der Errichtung des neuen Kreuzweges wurde dieser im Jahr 1991 gründlich restauriert.

Die Kreuzwegandacht (die "kleine Wallfahrt")

Im Jahre 1737 stiftete Pfarrer Franz Nicolaus Willhelm eine Summe von 200 Gulden "zur Fortsetzung der Wallfahrt (Kreuzweg)". Die große Wallfahrt am Pantaleonssonntag soll in Form einer Kreuzwegandacht monatlich bei den Stationen nach St. Pantaleon fortgesetzt werden. Deshalb nannte man die Kreuzwegandacht auch die "kleine Wallfahrt". Im 18. und 19. Jahrhundert wurde sie gehalten und war beim Volk sehr beliebt. Im Jahre 1989 ist sie vom neuen Ortsgeistlichen wieder belebt worden und erfreut sich steter Beliebtheit bei den Wallfahrern. Besonders feierlich wird sie am Sonntag vor der großen Wallfahrt gehalten.

Die Fundation von Pfarrer Franz Nicolaus Willhelm lautet: "Der Pfarrer soll den Kreuzweg (d.i. 14 Stationen zwischen Ober- und Niederrotweil) zwölfmal des Jahres, also jeden Monat einmal, an einem Sonntag oder Feiertag, wann es sich kommodlich tun lasset und die Witterung sich hierzu günstig zeiget, halten. In den drei Wintermonaten Dezember, Januar, Hornung, lasset sich solchar nicht wohl thun, darum kan man anticipieren oder im Frühling wieder die Gebether nur zum Teil dem Volk vorgelesen werden. - Der Schulmeister ist dabei auch nothwendig (wohl zum Singen und Respondieren). Der Pfleger, welcher auch St. Pantaleons-Pfleger sein kann, soll die Zinse besorgen und einziehen. Dieser Kreuzwegprozession soll ein Kreuzträger mit dem großen Kruzifix, begleitet von zwei Minstranten mit brennenden Kerzen vorausgehen."