Der Märtyrer Pantaleon

Schon in den ältesten Zeiten genossen jene Christen, welche für ihren Glauben ihr Leben hingaben (Martyres) oder Verfolgung erlitten hatten, ohne zu sterben (Confessores) eine ganz besondere Verehrung, welche kundgetan wurde, indem man Wert auf ihre Fürbitte legte, ihren Todestag (natalitia) feierte, die Kapellen über ihrem Grab (confessiones, memoriae) errichtete und ihre leiblichen Überreste (Reliquien, Martyriarii) sorgsam bewahrte.

Innerhalb dieses Rahmens und im Lichte der Verehrung der wegen ihres christlichen Glaubens Hingerichteten, suchen wir die Spuren des Märtyrers Pantaleon.

Die Überlieferung erzählt von Pantaleon als jungem Arzt aus Bithynien, der während der Christenverfolgung zur Zeit des Kaisers Diokletian das Martyrium erlitt. Nach der Überlieferung war Nikomedia, die heutige Stadt Ismit in der Türkei, der Ort seines Martyriums. Es wird von grausamen Folterungen vor seiner Hinrichtung berichtet. Als sich der junge Arzt standhaft weigerte, seinem Glauben an Jesus Christus abzuschwören, wurden ihm die Hände auf den Kopf genagelt, dann schlug ihm der Henker den Kopf ab. Nach der Überlieferung war der 27. Juli 305 der Tag seiner Hinrichtung. Bei diesem Geschehen sollen die Anwesenden eine Stimme vom Himmel gehört haben, die zu Pantaleon sprach: Du sollst nicht mehr Pantaleon heißen, sondern Pantalemon, d. h. "Sich Allerbarmend", denn durch dich werden viele Gnade und Barmherzigkeit finden.

Seine Grabeskirche in Nikomedia/Ismit ist in geringen Resten erhalten. Die Verehrung des Märtyrers Pantaleon hat sich offensichtlich rasch in Kleinasien ausgebreitet, wie die archäologischen Ausgrabungen von Aphrodisias in Kilikien an der türkischen Mittelmeerküste zeigen. Die Basilika von Aphrodisias ist bisher die älteste Kirche ( 5. jhdt.), die dem hl. Märtyrer Pantaleon geweiht worden ist. Aus deren Mosaikinschriften erfahren wir, dass Sergius dem heiligen Pantaleon mit der Herstellung von Bodenmosaiken (und vielleicht auch mit dem Bau der ganzen Basilika) seine Dankbarkeit für Errettung, Heilung und völlige Genesung bekunden wollte.

Bis heute wird der Arzt Pantaleon in der Ostkirche als Großmärtyrer Pantalemon verehrt. In Rom ist seine Verehrung erstmals im Jahr 708 nachzuweisen. Im Abendland wurde er später den Vierzehn Nothelfern zugezählt. Seine Reliquien werden in vielen Kirchen in aller Welt verehrt, so neben Köln und Lyon auch in Genua, Arles, Brindisi, Ravenna, Venedig, Andechs, Salem, Zwiefalten, St. Pantaleon - Niederösterreich, Paris, Bari, Madrid und in Oberrotweil am Kaiserstuhl. Auch viele Wallfahrten erinnern an den Märtyrer Pantaleon.

Es gibt verschiedene Darstellungen vom hl. Pantaleon: In vornehmer Kleidung als Arzt mit Arznei- oder Salbengefäß in der Hand. Oder die Abbildung zeigt ihn mit den Symbolen seines Martyriums, einer Palme oder einem Schwert in der Hand. In der Oberrotweiler Pfarrkirche trägt er seine Wallfahrtskirche in der Hand. Auch sein Martyrium wurde oft dargestellt: Mit den Händen über dem Kopf an einen Baum genagelt oder im Augenblick der Hinrichtung durch das Schwert in einer orientalischen Umgebung (so in der Wallfahrtskirche in Oberrotweil).

Die große Förderin der Verehrung des hl. Pantaleon im Westen war die Kaiserin Theophanu (gest. 991), eine griechische Prinzessin, die Gemahlin des Kaisers Otto II. (gest. 983). Ihre letzte Ruhestätte befindet sich in der Kirche St. Pantaleon in Köln.