Die Reliquien in St. Pantaleon

Die vielen Übertragungen von Märtyrergebeinen und Reliquien an andere Orte, die vom frühen Mittelalter bis in die Barockzeit hinein immer wieder erfolgten, verbreiteten die Märtyrerverehrung in der ganzen Christenheit. Reliquien und Gnadenbilder gab es im Mittelalter in fast allen größeren Kirchen.

Doch diese Kloster-, Stifts- und Pfarrkirchen waren damit nicht auch schon Wallfahrtskirchen. Der Wallfahrer macht sich auf den Weg zu einem Heiligtum, weil er dort Hilfe erwartet und Befreiung von seelischen oder körperlichen Leiden. Er fragt nicht, wie ein Wallfahrtsort entstanden ist, noch woher die Reliquie oder das Gnadenbild stammt. Wichtig ist ihm, dass schon andere hierher kamen und Hilfe fanden.

St. Pantaleon war von Anfang an eine Wallfahrtskirche, obwohl es ursprünglich darin keine Reliquien oder Gnadenbilder gab. Erst viele Jahre nach der Gründung von St. Pantaleon durch Dekan Franz Nicolaus Willhelm kam die Reliquie zur Zeit des Pfarrers Franz Sales von Schlangenfurt nach St. Pantaleon. In seinem Pantaleonsbüchlein schreibt er: "In dem Bild auf dem Hochaltar ruht (cum authentica) eine Reliquie des hl. Pantaleon. Anno 1769 haben wir durch den Monsignore Rezzonico, den Neffen Sr. Heiligkeit des Papstes Klemens XIII. (1758-1769), einen Partikel von dem hl. Pantaleon auf Anhalten der Durchlauchtigsten Prinzessin Elisabeth von Baden-Baden, Inhaberin der Grafschaft Riegel empfangen." Erst mit der Einsetzung dieser Reliquie in den Schrein auf dem Hochaltar hat sich im Laufe der Zeit der Brauch entwickelt, dass die Wallfahrer den Schrein umrunden und dabei mit ihrer Hand den Schrein berühren. Beim Rundgang benetzen die Pilger mit einem Tüchlein aus den bereitgestellten Weihwasserschalen ihre Augen, da der hl. Arzt Pantaleon auch als Augenheilkundiger verehrt wird.

Agnus Dei - Reliquiar

Pfarrer Franz Sales von Schlangenfurt erwähnt in seinem Pantaleonsbüchlein auch ein Agnus Dei-Reliquiar. Es ist eine kleine Sammlung von Reliquien mehrerer Märtyrer. Sie sind auf einer schön verzierten Tafel im Kreis geordnet. In der Mitte befindet sich ein großes Agnus Dei (das Lamm mit Fahne auf dem Evangelienbuch) mit dem päpstlichen Wappen und mit der Jahreszahl 1725, oberhalb und unterhalb ist jeweils ein kleineres Agnus Dei befestigt. Unter dem zentralen Agnus Dei befindet sich das Wappen des Papstes Benedikt XIII. (1724-1730) und sein Name, der auch in beide kleine Agnus Dei eingeprägt ist. Dieses schöne Reliquiar hat demnach seinen Ursprung im zweiten Regierungsjahr des Papstes Benedikt XIII. Nach Auskunft des Pfarrers Franz Sales von Schlangenfurt stammt.

Reliquie des hl. Pantaleon

Die Reliquie des hl. Pantaleon (s. obiges Foto), gestiftet durch den hochwürdigsten Herrn Erzabt Hieronymus Nitz aus Beuron an das Heiligtum des hl. Pantaleon in Oberrotweil zum Pantaleons-Wallfahrtsfest 1999. Die Reliquie stammt aus Rom vom Benediktinerbruder Pantaleon, dessen Mutterkloster Erzabtei Beuron war. Er selbst war in Rom tätig. Die Reliquie war eine Anerkennung für seinen wertvollen Dienst. Das Grab des Benediktinerbruders Pantaleon befindet sich auf dem Friedhof bei der Erzabtei in Beuron. Das Ostensorium, 30 cm hoch, auf rundem Fuß, in der Form eines Kreuzes, stellt in einem runden Schaugefäß die Reliquie des hl. Arztes Pantaleon (S. Pantaleon, medici) zur Verehrung aus.


Die Votivtafeln

Votivtafeln sind nicht nur Zeugnisse frommen Brauchtums oder Beispiele naiver Volkskunst, sie haben zweifellos auch kulturgeschichtliche Bedeutung. Sie berichten anschaulich und oft mit großer Genauigkeit im Detail von den Lebensumständen der Menschen, die sie gestiftet haben. Durch die Votivtafeln entsteht so ein authentisches Bild von den täglichen Sorgen und Nöten der Menschen, die als Wallfahrer den heiligen Ort besucht haben. Für den Glaubenden haben die Votivtafeln aber auch eine besondere Bedeutung, denn sie legen Zeugnis ab von tiefer Gläubigkeit in einer vergangenen Zeit. Sie sind die Zeugnisse des dankbaren Glaubens der Wallfahrer.

Einst hingen sehr viele Votivtafeln in St. Pantaleon. Verblieben sind nur noch wenige. Die meisten von ihnen stammen aus dem 19. Jahrhundert und sind Stiftungen der Wallfahrer aus dem Elsass. Deshalb sind sie als Zeugnisse historischer Verbindung des Kaiserstuhls mit dem Elsass von beachtlichem Wert. Mit ihren Votivtafeln danken die Wallfahrer für die Fürsprache des heiligen Märtyrers Pantaleon als Nothelfer in Krankheiten an Mensch und Tier, in Lebensgefahr bei Verkehrsunfällen und Kindernöten. Die noch verbliebenen Votivtafeln wurden im Jahr 1996 restauriert und in einer Fotodokumentation festgehalten.